paydirekt

paydirekt soll PayPal Konkurrenz machen, nur hat der US-Bezahldienst schon zehn Jahre Vorsprung. Wie der Neuling paydirekt diesen Rückstand aufholen will.

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paydirekt – ein Online-Bezahlverfahren aus Deutschland

paydirekt-logo

paydirekt ist ein deutscher PayPal-Konkurrent. Vor paydirekt hieß das Unternehmen "Gesellschaft für Internet- und mobile Bezahlungen mbH", kurz GIMB. Einige deutsche Banken und Sparkassen haben das Online-Bezahlverfahren im Jahr 2014 gegründet. Inzwischen unterstützen die folgenden Kreditinstitute paydirekt (Stand: 08/2016):

  • Deutsche Bank
  • Commerzbank
  • Volksbanken-Raiffeisenbanken
  • Sparkassen
  • Santander Consumer Bank
  • Berliner Bank
  • comdirect bank
  • HypoVereinsbank
  • consorsbank
  • ING-DiBa
  • norisbank
  • Postbank
  • Baden-Württembergische Bank
  • Bremer Landesbank
  • Degussa Bank
  • Flessabank
  • MLP
  • national-bank
  • Oldenburgische Landesbank
  • psd-Bank
  • Sparda-Bank
  • Südwestbank
  • Targobank
  • 1822direkt

Diese Liste kann sich ständig verändern, da neue Kreditinstitute hinzukommen oder Teilnehmer aussteigen. Die Anzahl der kooperierenden Banken und Sparkassen liegt bei 1.500 (Stand: 08/2016). Die erste Zahlung mit paydirekt fand am 17. August 2015 über die Hypovereinsbank statt: Ein Kunde hatte eine Dartscheibe bei dem Online-Händler D-Living mithilfe von paydirekt gekauft. Seit November 2015 ist der Dienst für alle Kunden der teilnehmenden Kreditinstitute verfügbar.

paydirekt-Konkurrenten

giropay

Das Gemeinschaftsprojekt mit Sitz in Frankfurt am Main will sich über ganz Deutschland ausbreiten. Das Online-Bezahlverfahren soll langfristig giropay ersetzen. Dieses ältere Online-Bezahlverfahren wird ebenso von 1.500 Banken und Sparkassen unterstützt. Darunter sind die folgenden Kreditinstitute:

  • Postbank
  • Sparkassen
  • fast alle Volksbanken Raiffeisenbanken
  • zahlreiche PSD-Banken
  • einige Privatbanken
  • comdirect bank
  • Deutsche Kreditbank (DKB)
  • MLP-Bank
  • BBBank

Ein Nachteil von giropay liegt darin, dass Sie sich als Nutzer im Online-Banking einloggen und zusätzlich noch eine TAN eingeben müssen. Dieser letzte Schritt soll bei paydirekt wegfallen – ähnlich wie Sie es vielleicht schon von PayPal kennen. Das deutsche System will aber noch einen Schritt weitergehen: Bei dem US-Dienst werden Sie zumindest nach dem ersten Kauf bei einem Online-Händler über PayPal zur Bank weitergeleitet. Bei paydirekt können Sie vom Shop direkt zu Ihrem Online-Banking wechseln.

paypal-logo

paydirekt soll PayPal zwar Konkurrenz machen, hinkt dem US-Bezahldienst aber fast in allen Bereichen weit hinterher. Kein Wunder, PayPal ist schon seit 2004 in Deutschland aktiv und hat landesweit mehr als 16 Millionen aktive Kunden. Das Unternehmen arbeitet hierzulande mit rund 50.000 Online-Shops zusammen. Für paydirekt haben sich 900.000 Kunden in Deutschland registriert, was nicht heißt, dass diese den Dienst auch aktiv und regelmäßig nutzen (Stand: 02/2017). Bisher ist das rund ein Prozent aller deutschen Besitzer eines Online-Girokontos (siehe unten). Laut paydirekt-Geschäftsführer Dr. Niklas Bartelt kommt wöchentlich eine fünfstellige Anzahl hinzu. Die Zahl der Partnerhändler liegt im geringen dreistelligen Bereich. Im August 2016 waren es rund 160 Händler (Stand: 08/2016). paydirekt hat mit dem typischen Henne-oder-Ei-Problem zu kämpfen: Ohne eine große Anzahl an teilnehmenden Händlern fehlen auch die Kunden. Diese nutzen den Dienst aber nur, wenn sie ihn auch flächendeckend einsetzen können.

Auch bei den Funktionen hinkt das deutsche Verfahren zurück: PayPal ermöglicht zum Beispiel Mobile Payment und P2P-Zahlungen (zwischen einzelnen Personen) per Smartphone. Beide Funktionen sollen bei paydirekt noch 2016 eingeführt werden, hat Geschäftsführer Dr. Niklas Bartelt angekündigt. Der deutsche Dienst ist bisher aber nur für reine Online-Zahlungen verfügbar, will die beiden anderen Funktionen aber zukünftig anbieten. Allein bei Onlinezahlungen in Kommunen hat paydirekt PayPal abgehängt: Der deutsche Bezahldienst arbeitet mit 500 deutschen Kommunen zusammen. Das Sparkassen-System Girocheckout lässt verschiedene Bezahlverfahren zu, zum Beispiel Lastschrift, Kreditkarte und paydirekt. Bis Ende 2016 soll die Anzahl auf bis zu 1.000 Kommunen steigen, sagt Hermann Stengele, Vorstandsmitglied bei Girosolution. PayPal arbeitet derweil nur mit rund 70 Kommunen zusammen (Stand: 07/2016).

sofortüberweisung

Ein anderer Konkurrent von paydirekt ist Sofort Überweisung. Der bayrische Bezahlanbieter gehört seit dem Jahr 2014 zu dem schwedischen Bezahlexperten Klarna. Über das Unternehmen aus Stockholm können Sie zum Beispiel ein Produkt auf Rechnung kaufen und dieses erst nach Erhalt der Ware bezahlen. Sofort Überweisung funktioniert dagegen ähnlich wie paydirekt, nur als externer Anbieter: Sie können als Online-Shopper Produkte mithilfe von Sofort Überweisung bezahlen. Dafür müssen Sie Ihre Zugangsdaten zum Online-Banking Ihrer Bank oder Sparkasse an die Sofort GmbH geben. Diese Daten sollten Sie jedoch nie an Dritte aushändigen. Der Aspekt Sicherheit spricht im Vergleich zu anderen Anbietern also eindeutig für paydirekt, denn diese Lösung kommt direkt von deutschen Kreditinstituten.

Mitte 2016 hat es paydirekt immerhin geschafft, eine deutschlandweite Werbekampagne zu starten. Denn: Wissen Sie als Kunde nichts von dem Dienst, können Sie ihn auch nicht nutzen. Daran ist bereits Yapital gescheitert. Der Bezahldienst der Otto-Group musste Ende 2015 seinen Service für Endkunden einstellen. Die Nachfrage nach Yapital war einfach zu klein. Die Telekom-Tochter ClickandBuy hat ihren Dienst zum 30. April 2016 eingestellt.

Handelspartner und Nutzer

paydirekt-kurzlogo

Unter den paydirekt-Partnern befinden sich bisher keine großen Online-Händler. Der Süßwarenhersteller Haribo und der Kaffeehändler Krüger dürften bisher die bekanntesten sein. paydirekt hat bereits die Zusammenarbeit mit dem Online-Shop der Deutschen Post, dem Modehändler Adler, dem Optikversand Linsenplatz.de, dem Bürobedarfshändler Drucker.de, dem Badshop Reuter.de und dm angekündigt (Stand: 08/2016). Im Laufe des Jahres 2016 sind außerdem die Metro-Töchter Media Markt und Saturn hinzugekommen. Andere Größen aus dem E-Commerce fehlen aber, wie zum Beispiel Otto, Zalando oder Notebooksbilliger (Stand: 05/2017).

Alle paydirekt-Partner müssen Gebühren zahlen, welche sie individuell mit paydirekt verhandeln müssen. Daher werden Händlerkonzentratoren wie Concardis dazwischen geschalten. Diese sogenannten Payment-Service-Provider übernehmen die Verhandlungen vor allem für kleine und mittlere Online-Shops. Der Erfolg von paydirekt wird auch von der Anzahl und der Größe der Handelspartner abhängen. Eine große Anzahl an teilnehmenden Kreditinstituten wird nicht ausreichen. Denn langfristig soll das Projekt auch Geld abwerfen. Bisher haben die Kreditinstitute rund 100 Millionen Euro in das Projekt investiert (Stand: 08/2016). Ein Hauptproblem ist ebenso, dass paydirekt viel zu spät dran ist. PayPal hatte immerhin schon zehn Jahre Zeit, um sich in Deutschland zu etablieren.

Ein Grund für die Zurückhaltung der deutschen Kunden könnte ihre Konzentration auf das Bargeld sein. Dieses verspricht ihnen eine Freiheit, Anonymität und Sicherheit. Weltweit bekannt ist zudem die "German Angst" vor vielen Innovationen, vor allem im Technikbereich. Neue Bezahlverfahren probieren vor allem Technik-Nerds, IT-Journalisten und ein paar junge Digital-Natives aus. Der Großteil der Bevölkerung hält sich meist erst einmal zurück. Ist ein Betrag zu hoch, um ihn mit Bargeld zu begleichen, greifen die meisten Deutschen erst einmal zur girocard.

Registrierung und Zahlung

laptop-shopping

paydirekt soll als Zusatzfunktion Ihres Girokontos agieren. Die Registrierung ist kostenlos und funktioniert in drei Schritten: Zuerst einmal benötigen Sie ein Girokonto inklusive Online-Zugang von einer der teilnehmenden Banken oder Sparkassen (siehe oben). Neukunden werden anschließend vom Händler direkt zum Online-Banking ihres Finanzinstituts weitergeleitet, um paydirekt freizuschalten. Dafür müssen sie einen eigenen Benutzernamen und ein Passwort festlegen. Zum Freischalten und teilweise auch zum Bezahlen ist zudem eine TAN nötig.

+++ Update (Stand: 08/2017) +++

paydirekt hat auf die eher geringe Nachfrage bei Kunden reagiert und registriert viele Sparkassen-Kunden ab November 2017 automatisch beim eigenen Online-Bezahldienst. Damit ist der PayPal-Konkurrent in die Kritik geraten, da er eigentlich in Sachen Datenschutz punkten will. Nach dem Bekanntwerden dieser automatischen Anmeldung haben Datenschützer eine Überprüfung angekündigt. Übrigens: Bereits im Juli 2017 soll sich paydirekt mit einem Millionenbetrag bei Otto eingekauft haben, um die eigene Reichweite zu erhöhen. Ob die aktive Nutzung des Online-Bezahlverfahrens mit diesen Vorgehensweisen wirklich gesteigert werden kann, ist umstiegen und muss sich langfristig zeigen.

+++ Update-Ende (Stand: 08/2017) +++

Den Benutzernamen und das Passwort benötigen Sie, um in einem der Partner-Shops mit paydirekt zahlen zu können. Der anfallende Betrag wird vom angegebenen Girokonto abgebucht, wenn es gedeckt ist. Der Online-Händler erhält sofort eine Zahlungsbestätigung und kann das Produkt damit direkt versenden. Das Unternehmen oder andere Dritte haben aber keinen Zugriff auf die Konto-Informationen des Kunden. Dafür greift paydirekt selbst neben den Transaktionsdaten auch weitere Informationen ab: Darunter fallen die Lieferadresse und unter Umständen auch Warenkorbinhalte.

paydirekt bietet bereits eine App für Android- und iOS-Geräte an. Mithilfe der Anwendung werden Nutzer über sämtliche Kontoaktivitäten in Echtzeit per Push-Nachricht informiert. App-Nutzer können sich zudem potentielle Betrugsfälle melden lassen. paydirekt wirbt mit großen Sicherheitsvorkehrungen und der Einhaltung des deutschen Datenschutzes sowie des deutschen Bankgeheimnisses – auch in der App. Das Verfahren unterscheidet sich von anderen Bezahldiensten, weil es nicht von einem Drittanbieter stammt, sondern eine Funktion des Girokontos ist. Mit dem Käuferschutz von paydirekt erhält der Kunde sein Geld zurück, wenn die Ware nicht geliefert wird.

Studien

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paydirekt ist laut einer PwC-Studie das zweitbekannteste Mobile-Payment-Verfahren in Deutschland. 27 Prozent der Befragten kennen dieses System. An erster Stelle steht PayPal mit 82 Prozent. Auf den Plätzen folgen Google Wallet mit 20 Prozent und Apple Pay mit 17 Prozent. Diese beiden Verfahren sind in Deutschland aber noch nicht verfügbar (Stand: 07/2016). Bei dieser Studie wird zwar offiziell von Mobile Payment gesprochen, dabei bietet paydirekt diese Funktion nicht einmal. Gemeint sind wohl eher Online-Bezahlverfahren.

Laut der Studie "Mobile in Retail" vom EHI Retail Institute und GS1 Germany wird paydirekt als Hybrid zwischen dem stationären und dem Online-Bereich erfolgreich sein. Eine ähnliche Position nimmt auch giropay ein (Stand: 12/2015). Erst einmal muss paydirekt aber auch Mobile Payment bieten, bevor es im stationären Handel überhaupt eingesetzt werden kann.

Bereits im September 2015 hat Statista Studienergebnisse zur paydirekt veröffentlicht. Dabei wurden (nur) 200 Deutsche befragt, ob sie sich vorstellen können, das neue Bezahlsystem paydirekt zu nutzen: ja, sagten 55 Prozent der Teilnehmer. 33 Prozent könnten es sich vorstellen, wenn paydirekt genauso verbreitet und komfortabel ist wie andere Zahlungsmethoden. 17 Prozent verneinten die Frage, weil sie bereits andere Systeme nutzen (Stand: 09/2015).

Bei den deutschen Händlern kommt paydirekt ebenfalls gut weg: Die Mehrheit der Befragten findet das Verfahren gut, aber nur ein Drittel sieht darin Konkurrenz für PayPal und Co. 60,5 Prozent der Online-Shops würden paydirekt zukünftig nutzen, wenn es günstiger als die Konkurrenten ist. 10 Prozent wollen paydirekt auf jeden Fall integrieren, so die Studie "ECC-Payment-Studie Vol. 20" (Stand: 03/2016).

Vor- und Nachteile

Vorteile

  • paydirekt ist ein deutscher Anbieter und baut auf deutsches Recht: es gelten der deutsche Datenschutz und das deutsche Bankgeheimnis
  • kurze Wege: es wird kein Drittanbieter fürs Bezahlen benötigt
  • Sicherheit führt zu niedriger Kaufabbruchquote und damit zu hohem Umsatz beim Händler und paydirekt
  • Rückabwicklungen, zum Beispiel für Zahlungen bei Retouren, erfolgen automatisch per Lastschriftverfahren
  • große Reichweite bei voller Verbreitung: potenziell können rund 50 Millionen Girokonto-Inhaber paydirekt nutzen
  • paydirekt ist kostenlos für Endkunden
  • Käuferschutz für paydirekt-Kunden
  • paydirekt-App mit Warn-Funktion
  • viele deutsche Kreditinstitute sind inzwischen angeschlossen
  • in der Regel keine TAN nötig
  • bezahlen mit Benutzernamen und Passwort
  • paydirekt arbeitet mit mehr deutschen Kommunen zusammen als PayPal
  • keine zusätzliche Hard- oder Software nötig
  • schneller Versand durch sofortige Zahlungsbestätigung möglich

Nachteile

  • paydirekt ist sehr spät dran: PayPal gibt es seit 2004 in Deutschland
  • Kreditkarten spielen bei paydirekt keine Rolle
  • Händler müssen Preise für paydirekt mit allen Kreditinstituten einzeln verhandeln
  • noch kein Mobile Payment oder P2P-Zahlungen über paydirekt möglich
  • paydirekt ist bisher nur in Deutschland verfügbar, ein europäischer bzw. weltweiter Rollout ist zwar geplant, aber noch weit entfernt
  • Henne-Ei-Problem: wenig Händler und Nutzer
  • große Konkurrenten
  • zu wenige große Handelspartner
  • hohe Kosten für Kreditinstitute: 100 Millionen Euro
Bildquellen:

Paydirekt-Logos: paydirekt.de
Giropay-Logo: giropay.de
PayPal-Logo: paypal.com
Sofort Überweisung-Logo: sofort.com

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