Mobile Payment

Mobile Payment kommt schwer in die Gänge – es ist noch immer nicht selbstverständlich mit dem Smartphone zu bezahlen. Mobile Payment bedeutet "mobiles Bezahlen". Ist diese Bezahl-Methode zu kompliziert oder zu unsicher? Es wird viel darüber geredet, doch nur wenige Verbraucher nutzen es letztendlich. 

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Definition für Mobile Payment

smartphone

Mobile Payment bedeutet mobiles Bezahlen. Als Kürzel wird oft M-Payment oder MPayment verwendet. Mobile Payment meint das Durchführen von bargeldlosen Transaktionen mithilfe von mobilen Geräten, wie Smartphones, Tablets oder Wearables (Smartwatches usw.). Möglich wurde diese Form des Bezahlens erst durch die rasante Verbreitung dieser Geräte und des mobilen Internets. Anfänglich wurden die Transaktionen noch häufig über die Telefonrechnung abgerechnet.

Die Technologien hinter den aktuell bekannten Lösungen unterscheiden sich gewaltig. Sie reichen von Near Field Communication (NFC) über QR-Codes bis zu Bluetooth. Es gibt viele Systeme unterschiedlicher Hersteller (Insellösungen) auf dem Markt, die nur bei einem oder wenigen Unternehmen einsetzbar sind, zum Beispiel die App von Netto Marken-Discount. Diese Insellösungen stellen bisher ein großes Problem dar, da Nutzer verschiedene Apps herunterladen müssen, um bei mehreren Händlern zu bezahlen. Die Lösung von Apple, PayPal, Google, Samsung und anderen Anbietern gehen einen anderen Weg und versuchen möglichst viele Unternehmen ins Boot zu holen, damit Nutzer nur noch eine App verwenden müssen. Mobile Payment soll damit standardisiert werden. Bis auf einige Tests von PayPal sind diese Global Player allerdings noch nicht im deutschen Einzelhandel verfügbar (Stand: 08/2016).

Der Fantasie sind beim Thema Mobile Payment keine Grenzen gesetzt. Das Thema spielt unter anderem in den folgenden Gebieten eine Rolle:

  • im stationären Einzelhandel (sowie bei Restaurants und anderen "Lokalitäten" wie einem Flohmarkt),
  • bei Automaten aller Art (Parkuhr, Parkautomat usw.),
  • beim Bezahlen anderer Personen (auch P2P genannt, z.B. bei Freunden) und
  • bei anderen Services (wie Taxi, ÖPNV, Bußgeld, Carsharing usw.) und vielem mehr.

Technologien für Mobile Payment

Mobile Payment basiert auf unterschiedlichen Technologien. Zu den bisher am weitesten verbreiteten gehören Near Field Communication (NFC), QR-Codes und auch Bluetooth. NFC scheint sich aber unter den großen Playern wie Apple durchzusetzen. Im Folgenden stellen wir Ihnen die Technologien und die bekanntesten Lösungen aus dem Bereich Mobile Payment vor.

Near Field Communication (NFC)

Near Field Communication (NFC) steht im Deutschen für Nahfeldkommunikation und dient der Übertragung von Daten auf kurzen Strecken von maximal 10 cm mithilfe von Funktechnologie. NFC kommt oft beim mobilen und kontaktlosen Bezahlen per Smartphone oder Geldkarte zum Einsatz. In Deutschland ist dies zum Beispiel bei Aldi Nord, Aldi Süd und Lidl möglich. Die Informationen werden dabei verschlüsselt übertragen, sodass Dritte keinen Zugriff auf die versendeten Daten haben. Dafür wird bei jedem Bezahlvorgang ein dynamischer Code erzeugt, der nicht kopiert werden kann.

Um eine NFC-Zahlung durchzuführen, muss der Nutzer das Smartphone oder die Karte bis auf wenige Zentimeter an das Kassenterminal halten. Aufgrund dieser Anforderung muss ein potenzieller Daten-Dieb ebenso dicht an das Terminal heranreichen – außer er hat eine größere Antenne zur Hand. Tritt ein solcher Fall ein, wird maximal 25 Euro entwendet. Bei einem höheren Wert muss der Kunde seine PIN eingeben oder eine Unterschrift leisten.

Kunden müssen sich für die Bezahlung per Near Field Communication ein NFC-fähiges Smartphone oder Geldkarte zulegen. Viele moderne Smartphones unterstützen diese Funktion bereits standardmäßig. Smartphones ohne integrierten NFC-Chip können mit einem entsprechenden Sticker nachgerüstet werden, wie zum Beispiel bei mpass.

NFC-Lösungen

mpass-nfc

mpass war eine Lösung zum mobilen Bezahlen per Smartphone von o2, Telekom und Vodafone. Sie wurde aber im August 2016 eingestellt. Das System sollte mit jedem Mobilfunkanbieter und jedem Handymodell funktionieren. Dies hatte einen einfachen Grund, welcher auch ein Nachteil war. Denn um mpass zu verwenden, benötigten Nutzer einen kostenlosen NFC-Sticker. Dieser war auch dann nötig, wenn sie ein NFC-fähiges Smartphone besaßen. Obwohl die Betreiber bereits einige Jahre vor der Einstellung auf der Webseite schrieben, dass der Sticker nur vorübergehend nötig wäre, konnte man mpass nie ohne Sticker verwenden. Nutzer konnten untereinander Geld transferieren und im Online-Shop und im stationären Handel bezahlen.

Mit Apple Pay können Kunden bei ausgewählten stationären Händlern und in mobilen Apps bezahlen. Bisher ist diese Lösung aber unter anderem in den USA, in Großbritannien, Kanada, Russland, Neuseeland und in der Schweiz verfügbar (Stand: 10/2016). Die Einführung in Deutschland soll Gerüchten zufolge wohl erst 2017 folgen. Apple Pay basiert wie beschrieben auf NFC. Inhaber aktueller iPhones müssen ihr Gerät an das Kassenterminal halten, um zu bezahlen. Eine App muss dafür nicht geöffnet werden.

kreditkarte-kontaktlos

Samsung Pay basiert ebenso auf NFC, nutzt aber auch MST (Magnetic Secure Transmission). Das bedeutet, dass die mobile Bezahllösung überall funktionieren sollte, wo auch Kredit- und Debitkarten angenommen werden. Einige Kartenlesegeräte sollen dafür aber noch ein Update erhalten. Dann müssen Kunden ihr Smartphone an das Terminal halten, um zu bezahlen. Samsung Pay ist noch nicht in Deutschland verfügbar, sondern unter anderem in den USA, China und Südkorea.

Auch bei Google setzt man mit Android Pay auf NFC. Nutzer müssen dafür die Daten ihrer Geldkarte zur App hinzufügen. Dann können sie per Android Pay in ausgewählten Läden und in Apps bezahlen. Die Bezahllösung ist wie so oft noch nicht in Deutschland nutzbar, dafür aber unter anderem in den folgenden Märkten:

  • USA
  • Australien
  • Großbritannien
  • Irland
  • Japan
  • Polen
  • Neuseeland
  • ?Hong Kong
  • Belgien

Aktuell werden auch immer mehr NFC-fähige Kreditkarten und Girokarten ausgegeben. Inhaber einer Kreditkarte erkennen die Kontaktlos-Funktion am WLAN-artigen Symbol auf der Vorder- oder Rückseite. Bei Girocards weist das Logo girogo auf die NFC-Fähigkeit hin.

QR-Code

qrcode

Ein QR-Code besteht in der Regel aus einer quadratischen Matrix mit schwarzen und weißen Quadraten. Diese stellen die verschlüsselten Informationen binär dar. Der Code wird wiederum durch kleine Quadrate in drei von vier Ecken begrenzt. Die japanische Firma Denso Wave hat den QR-Code im Jahr 1994 entwickelt, um Bau-Teile für die Logistik in der Automobilindustrie zu markieren.

Das QR in QR-Code steht für Quick Response. Diese "schnelle Antwort" erhalten Nutzer, wenn sie den zweidimensionalen Code per Smartphone, Tablet oder einem anderen Gerät scannen. Die dahinter liegenden Informationen können schnell maschinell erkannt werden. Das Verfahren ist unter anderem weit verbreitet, weil es relativ resistent ist. Denn bei einem Verlust von bis zu 30 Prozent des Codes, kann dieser immer noch erkannt und dekodiert werden. Nutzer werden beispielsweise auf eine Webseite weitergeleitet, wie im gezeigten Beispiel. 

QR-Code-Lösungen

QR-Codes werden unter anderem in der Werbung und beim mobilen Bezahlen verwendet. Die inzwischen für Endkunden eingestellte Bezahllösung der Otto Group-Tochter Yapital basierte auf QR-Codes.

Nutzer von einigen Bank-Apps, zum Beispiel von der Sparkasse und der VR Bank Rhein-Neckar, können QR-Codes auf Rechnungen scannen, um die Informationen wie IBAN und Co direkt in die Überweisung zu kopieren. Diese Funktion namens "GiroCode" soll das Bezahlen von Rechnungen vereinfachen und beschleunigen.

biw-kesh

Die biw Bank für Investments und Wertpapiere AG, ein Unternehmen aus dem nordrhein-westfälischen Willich, hat die kostenlose Android- und iOS-App kesh entwickelt. Damit können Nutzer unter anderem Geld austauschen sowie online oder im stationären Einzelhandel bezahlen. Beim Shoppen im Laden und im Internet müssen sie dafür einen QR-Code scannen, um eine Zahlung zu bestätigen. Aber auch das Anfordern von Geld, Gruppenzahlungen und das Teilen einer Rechnung unter Freunden ist mit kesh möglich. Eigenen Angaben zufolge sollen dies so einfach wie eine SMS funktionieren. kesh steht Kunden aller deutscher Banken offen. Sie müssen ihr Bankkonto dafür hinterlegen und sich verifizieren. Allerdings hält sich die Anzahl der Partner von kesh in Grenzen. Die Anzahl soll zukünftig allerdings steigen (Stand: 07/2016).

PayPal bietet neben dem Geldtransfer auch die Option "PayPal QRShopping" an. Dabei können Unternehmen zum Beispiel QR-Codes in ihren Schaufenstern platzieren, damit Passanten auch außerhalb der Öffnungszeiten, am Sonntag und an Feiertagen lokal per App shoppen können. Das gekaufte Produkt können sie sich entweder zuschicken lassen oder in den Folgetagen im Laden abholen. Das US-Unternehmen hat die QR-Code-Lösung vor 2004 in Oldenburg getestet. Überzeugt hat sie den Handel anscheinend nicht, zumindest hat sie sich nicht flächendeckend durchgesetzt (Stand: 08/2016).

Bluetooth

Bluetooth ist eine Funktechnologie zur Datenübertragung zwischen Geräten über Distanzen von mehreren Metern. Die Bluetooth Special Interest Group (SIG) hat diesen Industriestandard in den 1990er-Jahren entwickelt. Die Business-Bezahllösungen iZettle und Payleven arbeiten mit Bluetooth. Unternehmen benötigen die entsprechende App, um ihr Smartphone oder Tablet mit dem Kartenleser per Bluetooth zu verbinden und Kartenzahlungen mobil anzunehmen.

Bluetooth-Lösungen

izettle

iZettle spricht in erster Linie andere Unternehmen an. Der Mobile-Payment-Anbieter aus Stockholm hat einen Kartenleser für Smartphones und Tablets sowie eine kostenlose Android- und iOS-App entwickelt. Mit dieser Anwendung können Mitarbeiter ortsunabhängig Kartenzahlungen annehmen und Verkäufe verwalten. Das Smartphone oder Tablet wird damit zum mobilen Kartenterminal. Nutzer müssen sich dafür den Kartenleser kaufen, die iZettle-App herunterladen und sich ein Benutzerkonto anlegen. Sie zahlen bei EC-Karten (Maestro & V Pay) Gebühren in Höhe von 0,95 Prozent der Kaufsumme. Bei allen anderen Kartentransaktionen sind es 2,75 Prozent. Endkunden zahlen dagegen keine Extra-Gebühren. 

Payleven sitzt in Berlin und London. Das Unternehmen ermöglicht Gewerbetreibenden ebenso die Annahme von Girocard- und Kreditartenzahlungen mithilfe von Smartphones oder Tablets. Der Mobile-Payment-Anbieter ist neben Deutschland mittlerweile in neun anderen europäischen Ländern aktiv. Die Gebühren sind identisch mit denen von iZettle: 0,95 Prozent für eine Girocard-Zahlung und 2,75 Prozent pro Kreditkarten-Zahlung. Im Frühjahr 2016 haben der Berliner Bezahldienstleister SumUp und payleven bekannt gegeben, sich unter dem Namen SumUp zusammen zu schließen, um die Expansion gemeinsam voranzutreiben (Stand: 07/2016).

Im Endkunden-Bereich gibt es bei den Zahlungsverfahren mithilfe von Bluetooth nur Tests, Pilotprojekte und Ankündigungen (Stand: 07/2016):

PayPal hat 2013 ein Bluetooth-Bezahlverfahren vorgestellt. "PayPal Beacon" sollte schnelles Bezahlen im Geschäft ermöglichen. Dabei kommuniziert ein kleiner Bluetooth-Funksender mit dem Kunden-Smartphone. Dieses sollte auch standortbasierte Sonderangebote automatisch empfangen. Zum Bezahlen sollte das Smartphone nicht einmal aus der Tasche geholt werden. Das Nennen des Namens sollte ausreichen. Laut dem damaligen PayPal-Chef David Marcus sollten Millionen Menschen damit bezahlen. Bisher war nichts weiter von dem Projekt zu hören.

Ein ähnliches Projekt will nun auch Google starten. Mit der "Hands Free"-App sollen Kunden einfach nur ihren Namen an der Kasse nennen, um zu bezahlen. Vorher verbindet sich das Smartphone aber bereits per Bluetooth mit dem Kassensystem. Daneben greift Google dafür auch auf Wlan und die Standortdaten des Smartphones zurück. Der US-Webriese testet "Hands Free" bei einigen Restaurants wie zum Beispiel McDonald’s. (Update: Google hat Hands Free im Januar 2017 eingestellt.)

Bildquellen:

Mpass: telefonica.de
Kesh: biw-bank.de
iZettle: izettle.com/de

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